Longevity: Was wirklich zählt – und was nur teuer ist

Longevity ist überall: in Podcasts, in Nahrungsergänzungsmitteln, in Ganzkörper-Scans für viel Geld. Die gute Nachricht ist unspektakulär. Die Maßnahmen mit den besten Belegen sind die einfachen – und die meisten davon kann man messen.
Was die Studien zeigen
Alle drei sind Beobachtungsstudien. Sie zeigen Zusammenhänge, keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Dass die Richtung in Dutzenden Studien dieselbe ist, macht sie trotzdem belastbar.
Die sechs Stellschrauben
Keine davon ist neu. Aber zusammen entscheiden sie mehr über gesunde Jahre als alles, was sich in einer Kapsel verkaufen lässt.
Neu erforscht
Eine Impfung mit einer Nebenwirkung, die man sich wünscht
In Wales hing es vom Geburtsdatum ab, wer die Gürtelrose-Impfung bekam – ein natürliches Experiment mit über 280.000 Menschen. Wer geimpft war, erhielt in den folgenden sieben Jahren rund 20 Prozent seltener die Diagnose Demenz.
Untersucht wurde damals der ältere Lebendimpfstoff. Für den heute verwendeten Totimpfstoff deuten Beobachtungsdaten in dieselbe Richtung. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung ab 60, bei bestimmten Grunderkrankungen früher – sie ist Kassenleistung, und wir schauen gern in Ihren Impfpass.
Was wir (noch) nicht empfehlen
Nicht, weil es neu ist, sondern weil der Nachweis fehlt, dass Menschen damit länger oder gesünder leben.
- Ganzkörper-MRT ohne Anlass. Findet fast immer etwas, meistens Harmloses – und zieht Kontrollen, Sorgen und manchmal Eingriffe nach sich.
- Tests auf das „biologische Alter“. Spannend für die Forschung, für eine persönliche Entscheidung bisher nicht verlässlich genug.
- NAD+, NMN, Resveratrol und ähnliche Präparate. Es gibt keine Studie, die zeigt, dass Menschen damit länger oder gesünder leben.
- Vitamin-Infusionen bei Gesunden. Ohne nachgewiesenen Nutzen – wer sich normal ernährt, nimmt die Vitamine ohnehin auf.
- Metformin oder Rapamycin für Gesunde. Die Studien dazu laufen. Bis Ergebnisse vorliegen, bleiben es Medikamente mit Nebenwirkungen.
Ihr Longevity-Check bei uns
Das meiste davon zahlt Ihre Krankenkasse – man muss es nur nutzen. Dazu führen wir Ihr Impfbuch und rechnen daraus Ihren persönlichen Impfplan.
Kassenleistung
Der Check-up und mehr
- Check-up ab 35 alle drei Jahre: Blutdruck, Blutfette, Blutzucker, Urin und Impfstatus, einmalig auch Hepatitis B und C. Zwischen 18 und 34 einmal.
- Impfungen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission – Gürtelrose, Grippe, Pneumokokken, Tetanus.
- Hautkrebs-Screening ab 35 alle zwei Jahre.
- Darmkrebsvorsorge ab 50.
- Männer ab 65: Ultraschall der Bauchschlagader.
Selbstzahlerleistung
Auf Wunsch
- Leber-Check. Fettgehalt der Leber als Prozentwert und Steifigkeit des Gewebes – per Ultraschall in einer Sitzung, ohne Nadel. So lässt sich verfolgen, was eine Ernährungsumstellung oder Gewichtsabnahme bewirkt. Mehr zur Lebergesundheit
- Gefäß-Check. Ultraschall der Halsschlagadern und der Bauchschlagader. Sinnvoll vor allem bei Risikofaktoren oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie.
- Cardisiographie / Herz-Check. Eine räumliche Aufzeichnung der Herzströme, ausgewertet von einer lernenden Software. Sie gibt einen Hinweis, ob genaueres Hinsehen sinnvoll ist. Mehr zur Cardisiographie
- Lipoprotein(a), einmal im Leben. Ein erblicher Risikowert, den das normale Cholesterin nicht zeigt. Die europäischen Kardiologen raten, ihn einmal zu kennen; die hausärztliche Fachgesellschaft ist zurückhaltender, weil noch kein Medikament ihn senkt und nachweislich Herzinfarkte verhindert. Bei frühen Herzinfarkten in der Familie zahlt die Kasse.
Umfang und Preis erhalten Sie vorher schriftlich – Sie entscheiden in Ruhe.
Zum Ausprobieren
Der Boden-Test
Setzen Sie sich im Schneidersitz auf den Boden und stehen Sie wieder auf – möglichst ohne Hände, Knie oder Unterarme. Hinsetzen und Aufstehen bringen je fünf Punkte. Für jedes Abstützen gibt es einen Punkt Abzug, für Wackeln einen halben.
Je höher, desto besser. Unter acht Punkten stieg das Risiko in den Studien deutlich. Das ist kein Grund zur Sorge – aber ein guter Anlass, über Kraft und Beweglichkeit zu sprechen.
Bitte nur mit sicherem Stand ausprobieren, am besten neben einer Wand oder einem stabilen Stuhl.
Länger leben ist das eine. Länger gesund leben ist das, worum es geht.
Quellen: Ding M. et al., Daily steps and health outcomes in adults, Lancet Public Health 2025 · Mandsager K. et al., Cardiorespiratory fitness and long-term mortality, JAMA Network Open 2018 · Araújo C. G. et al., Sitting–rising test scores predict natural and cardiovascular causes of deaths, Eur J Prev Cardiol 2025 · Eyting M. et al., A natural experiment on the effect of herpes zoster vaccination on dementia, Nature 2025 · G-BA, Gesundheitsuntersuchungen